Positionen

Alle unsere offenen Briefe und Pressemitteilungen der letzten Zeit können hier nachgelesen werden:

Offener Brief: Wir sind nicht auf einem guten Weg!

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Sieling,

sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Linnert,

anders als die Bildungssenatorin immer wieder erklärt, befindet sich unser Schulsystem keinesfalls auf einem guten Weg.

Mit Entsetzen hat der ZentralElternBeirat Bremen die am 01.03.2017 verkündeten Haushaltseckwerte für die Jahre 2018 und 2019 zur Kenntnis genommen.

Wieder einmal wird die Chance vertan, Bildung in Bremen die notwendige Priorität einzuräumen!

Je 9 Mio. Euro soll es für Bildung in den Jahren 2018 und 2019 zusätzlich geben. Das ist noch nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein!

Im Bildungsbereich brennt es seit langem an allen Ecken und Enden und die Brandherde werden langsam zum Flächenbrand. Wie lange wollen Sie noch die Augen davor verschließen?

Bereits 2012 hat der Rechnungshof festgestellt, dass das Oberschulkonzept mit Inklusion und der Ganztagsausbau pro Jahr um mindestens 20 Mio. Euro unterfinanziert sind. Statt hierauf zu reagieren, haben die regierenden politischen Parteien unter dem Schlagwort “Demografische Rendite“ den Gürtel bei Bildung bis Ende 2015 jedes Jahr enger geschnallt. Gleichzeitig wurden Schulen geschlossen, Schulgrundstücke wurden verkauft, der Ertrag ging nicht etwa in den Bildungshaushalt sondern in den allgemeinen Haushalt. Personal wurde abgebaut und wenn es dann einmal ein „Schippchen“ oben drauf gab, verschwand dieses gleich wieder in der parallel laufenden Kürzung.

Es macht uns fassungslos, wenn der von Ihnen geführte Senat allen Ernstes vorschlägt, den Bildungshaushalt bei einem Gesamtvolumen von ca. 600 Mio. Euro um lächerliche 9 Mio. Euro - pro Jahr aufzustocken. Das ist ein Anstieg um 1,5 % und entspricht gerade einmal dem Inflationsausgleich.

Wir brauchen einen massiven Aufbau und Ausbau von Schulplätzen einschließlich der entsprechenden Ausstattung. Steigende Geburtenzahlen, Zuwanderung und vermehrte Ausweisung von Wohngebieten führen zu steigenden Schülerzahlen. Die Zahl der Grundschüler ist innerhalb der letzten 4 Jahre um 10% gewachsen – und dieses Wachstum wird sich in den nächsten Jahren über alle Jahrgangsstufen fortsetzten. Über 3.000 Schüler aus Vorkursen müssen in Regelklassen untergebracht werden! Da reichen die 9 Mio. Euro nicht einmal, um den Status Quo zu halten.

Wir fordern vor Haushaltsaufstellung eine transparente, klar durchdachte und durchfinanzierte Schulstandortplanung, die den steigenden Schülerzahlen gerecht wird.

Ihre Äußerungen, Frau Bürgermeisterin Linnert zeigen, Sie haben das Problem nicht im Ansatz erkannt, wenn Sie meinen, wir hätten bis 2020 Zeit, entsprechende Planungen in Angriff zu nehmen.

Hier ist sofortiges Handeln von Nöten! Denn wir wissen alle um die langen Planungs- und Umsetzungsphasen in diesem Bundesland. Wenn der Vorsitzende der Deputation für Kinder und Bildung, Matthias Güldner von gletscherartigem Tempo bei der Umsetzung von Bauvorhaben spricht, muss er wohl noch die Gletscher vor der Erderwärmung gemeint haben!

Sie schulden es den Kindern und den Eltern dieser Stadt, endlich die Prioritäten dort zu setzen, wo sie hingehören, nämlich in den Bereich der Bildung und Ausbildung unserer Kinder. Wir haben es satt zu hören, dass wir auf einem guten Weg sind, egal, ob es um Ganztagsausbau, Inklusion oder die allgemeine schulische Versorgung geht.

Wir sind nicht auf einem guten Weg. Der Weg, den Sie eingeschlagen haben, ist übersät mit Schlaglöchern, in denen die Schulreform zu versinken droht, wenn sie nicht schnellstmöglich gefüllt werden. Wir sehen keine Perspektive, wenn Geld, aber vor allem auch Planungsressourcen fehlen.

Es ist wenig überraschend, dass das Bremer Bildungssystem unter den gegebenen Rahmenbedingungen mittlerweile mit großem Abstand seinen letzten Platz in der Bundesrepublik Deutschland standhaft verteidigt. Dabei wären Bremer Schüler und ihre Eltern schon froh – wenigstens Mittelmaß zu sein!

Wir fordern Sie als Vertreter des Senats der Freien Hansestadt Bremen daher eindringlich dazu auf, die Priorität, die Sie bei Bildung setzen wollen, auch durch finanzielle Fakten abzusichern und die Senatorin für Kinder und Bildung nicht nur mit Geld, sondern auch mit Planungsressourcen so auszustatten , dass sie die „Herkulesaufgabe“, die vor ihr liegt, auch bewältigen kann.

Zurück

© 2015 – 2018 ZEB Bremen & Tatjana Blaar | Login