Positionen

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Offener Brief zur Diskussion um den W+E-Standort am Gymnasium Horn

Sehr geehrte Frau Dr. Bogedan,

sehr geehrte Frau Kelm,

der ZEB Bremen verfolgt die Diskussion um die Errichtung eines W&E Standortes am Gymnasium Horn mit Sorge.

Seit Jahren müssen wir erklären, dass Inklusion nicht die gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern ist. Inklusion ist viel mehr und greift viel tiefer in unser gesellschaftliches Miteinander ein. Im vorliegenden Fall geht es nun tatsächlich um die Beschulung behinderter Kinder und prompt scheint die ganze Inklusion in Gefahr zu sein.

Bremen ist mit diesem Missverständnis aber nicht alleine, deshalb hat die deutsche UNESCO Kommission 2014 die schulische Inklusion erklärt:

„Jeder Mensch hat das Recht auf Bildung. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte fordert, dass Bildung auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein muss. Eines der wichtigsten Ziele der UNESCO ist, dass alle Menschen weltweit Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung erhalten und ihre Potenziale entfalten können. Dieser menschenrechtliche Anspruch ist universal und gilt unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen, Behinderung oder besonderen Lernbedürfnissen.“

Am Gymnasium Horn sollen ab dem kommenden Schuljahr 5 Kinder mit dem Förderbedarf W&E (Wahrnehmung und Entwicklung ist die Bremer Umschreibung für geistige Behinderung) zusammen mit Kindern ohne Förderbedarf beschult werden. Genau wie an den beiden bereits bestehenden Gymnasien und vielen Oberschulen mit W&E-Klassen geht es hier vornehmlich um den Aspekt der Teilhabe, nicht um den gemeinsamen Unterricht. Sicherlich werden einzelne Kinder dem Unterricht folgen können, für die meisten gilt das aber nicht, weder am Gymnasium, noch an der Oberschule. Es macht aber für alle Kinder einen großen Unterschied, ob sie gemeinsam zur Schule gehen oder ob sie von vorne herein getrennt beschult werden. Davon

profitieren möglicherweise nicht die Leistungen in den Kernfächern, Schule kann und darf heute aber nicht mehr darauf reduziert werden, Social Skills sind genauso wichtig.

Im Schulgesetz steht seit 2009, dass alle Schulen sich zu inklusiven Schulen entwickeln und Bremens Schulen handeln eigenverantwortlich. Gleichzeitig steht dort, dass der Unterricht an Gymnasien mit einem erhöhten Lerntempo auf einem Anforderungsniveau stattfindet. Auf den ersten Blick passt das nicht zusammen, auf den zweiten schon, denn Beschulung ist nicht gleich Unterricht.

Wir hätten erwartet, dass sich alle Schulen in Bremen im Rahmen der Schulentwicklung auf diesen Weg gemacht haben oder zumindest einen Plan in der Schublade haben.

Weder der harte Widerstand der Schulleitung von Ihnen Frau Kelm gegen den W&E Standort noch die überstürzte Entscheidung seitens der Deputation für Kinder und Bildung  entspricht unserer Vorstellung davon, wie in Bremen Schulen zu inklusiven Schulen entwickelt werden.

Aus der Horner Beiratssitzung konnten wir erfahren, dass die Entscheidung der Deputation für Kinder und Bildung  entgegen dem fachlichen Rat der Bildungsbehörde getroffen wurde. Das können auch wir nicht nachvollziehen. Im Jahr vor der Wahl sich ein weiteres inklusives Gymnasium als Erfolg ans Revers zu heften ist aus unserer Sicht nicht Bildungspolitik, sondern Wahlkampf. Hier wird aber nicht eine Schule auf dem politischen Altar geopfert, nein hier werden SchülerInnen zum Opfer verfehlter politischer Ambitionen.

Nun ist aber das Kind in den Brunnen gefallen und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass in Bremen Schulen ohne ausreichende Vorbereitung und Ressourcen Umstellungen bewältigen müssen.

Wir fordern Sie auf, sich möglichst schnell an einen Tisch zu setzen und zu einer konstruktiven Zusammenarbeit zu finden. Wir erwarten, dass zum Beginn des Schuljahres 2018/19 am Gymnasium Horn die räumlichen, personellen und materiellen Voraussetzungen für eine gute Beschulung von Kindern mit dem Förderschwerpunkt W&E geschaffen sind.

Das sind Sie beide den betroffenen Kindern schuldig.

Mit freundlichen Grüßen

 

ZentralElternBeirat Bremen Der Vorstand

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