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Pressemitteilung: Ganztagsschulen in der Stadtgemeinde Bremen

Pressemitteilung: Ganztagsschulen in der Stadtgemeinde Bremen

Der ZentralElternBeirat Bremen begrüßt grundsätzlich die Zielsetzung der Koalition, den Ganztagsausbau voran zu treiben. Insofern ist es auch begrüßenswert, dass die Bildungsbehörde eine Abfrage zur Interessensbekundung für die Einführung von Ganztagsangeboten an Grundschulen durchführt.

Nicht erst durch die Ergebnisse der aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung vom 28.04.2016, die Bremen in Bezug auf die gesetzten Rahmenbedingungen - zusätzliche Lernzeiten und Personalausstattung im gebundenen Ganztag - als Schlusslicht aufführt, wird jedoch klar, dass die bloße quantitative Erhöhung von Ganztagsplätzen ein Irrweg ist.

Die Bertelsmann-Studie bezieht sich nur auf den gebundenen Ganztag. Bereits hier wendet Bremen nur ein gutes Drittel des Bundesdurchschnitts an Ressourcen im Primarbereich auf. Selbst wenn man berücksichtigt, dass in Bremen neben der Zahl der Lehrkräfte mehr pädagogisches Personal im Ganztag eingesetzt wird, scheint die qualitative Ausstattung zugunsten eines quantitativen Ausbaus in den Hintergrund zu treten. Pierre Hansen, Vorstandssprecher des ZEB sagt dazu: "Es kann nicht angehen, dass hier eine Masse statt Klasse Strategie gefahren wird! Unsere Kinder benötigen einen anständig ausgestatteten Ganztag und nicht eine Verwahrung."

Seit Jahren fordert der ZentralElternBeirat, vor der Schaffung neuer Ganztagsschulen, die Qualität der bestehenden Ganztagsschulen zu verbessern.

Der ZentralElternBeirat Bremen hat daher großes Verständnis für die Entscheidung einiger Grundschulen die Einführung von offenem Ganztag, insbesondere im sozialen Brennpunkt, ohne ausreichende zeitliche Vorbereitung und Zusicherung der dafür notwendigen Ausstattung kategorisch abzulehnen.

Viele aus der Sicht der Schulen dringend notwendige Ausstattungskomponenten, wie etwa Integrationskräfte und zusätzliche Stunden im offenen Ganztag können nach Aussage der Behörde nicht zur Verfügung gestellt werden. Vielmehr wird zum Teil auf die parallele Hortbetreuung hingewiesen, unter Außerachtlassung der Tatsache, dass gerade diese Hortbetreuung zugunsten des offenen Ganztagsangebots eingestellt wird. So geschehen im Fall der Grundschule an der Uphuser Straße, die sich sehr kurzfristig auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht hat und der das integrative Hortangebot im nahegelegenen Schwedenhaus im kommenden Schuljahr nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Die Schaffung eines offenen Ganztagsangebots, unter den derzeit dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen, stellt sich, aus Sicht von Eltern, Kindern und der Kollegien, als schlichte Sparmaßnahme dar. Gut ausgestattete und eingespielte Horte werden zugunsten von wesentlich preiswerter zu organisierenden offenen Ganztagsplätzen geschlossen. Das ist keine Verbesserung der Situation, sondern eine Verschlechterung.

Der ZentralElternBeirat Bremen fordert daher:

  • "Qualität vor Quantität"! Bremen braucht einen Maßnahmenplan, um die bereits bestehenden Ganztagsschulen qualitativ besser auszustatten. Nur gut ausgestatteter Ganztag ist eine Alternative zu den bisherigen Hortangeboten.
  • die Schließung von Horten und Hortplätzen mit sofortiger Wirkung einzustellen. Erst muss gesichert sein, dass die jeweils vorhandenen Ganztagsangebote an den Schulen diese Hortplätze quantitativ und qualitativ ersetzen können. Ggf. müssen auch neue Hortangebote geschaffen werden, wo es zum nächsten Schuljahr Betreuungsengpässe gibt.
  • offenen Ganztagsschulen, insbesondere in sozialen Brennpunkten, unter Berücksichtigung des Schulwunsches, die Umwandlung in gebundenen Ganztag anzubieten.
  • die Schaffung von offenen Ganztagsangeboten nicht mehr von hohen Sozialindikatoren abhängig zu machen. Gerade der offene Ganztag eignet sich eher außerhalb von sozialen Brennpunkten, wo es primär um einen Betreuungsbedarf geht.
  • in Bremen eine Ganztagsdiskussion mit allen Beteiligten zu führen, um zu einer Ganztagsstrategie statt Gießkannenprinzip zu kommen.
  • das Anwahlverfahren für den Primarbereich so zu verändern, dass der Ganztagsbedarfs als wesentliches Kriterium mit einfließt.

Der ZentralElternBeirat Bremen ist zur konstruktiven Mitwirkung bei der Umsetzung der oben genannten Forderungen bereit. Den jetzt gewählten Weg durch die bremische Politik, mit der Gießkanne jedes Jahr vier offene Ganztagsschulen ohne Bedarfsanalyse und entsprechende Ausstattung zu schaffen, kann und wird der ZentralElternBeirat nicht unterstützen.

Der Forderung der Experten der Bertelsmann-Studie, einheitliche Mindeststandards für Ganztagsschulen zu schaffen, schließt sich der ZentralElternBeirat Bremen ausdrücklich an.

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